Blinde Flecken: Warum Stiftungen mehr Start-up-Kompetenzen brauchen

Impuls

Claudia Langer fordert mehr Risikobereitschaft von Stiftungen. Um zukünftige Herausforderungen stemmen zu können, braucht es Mut und Neugier, so das Vorstandsmitglied der Generationen Stiftung. 

Blinde Flecken sind Herausforderung und Chance zugleich. Sie zeigen einem, was man nicht sehen wollte, und geben zugleich einen Hinweis, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Im Rahmen des Deutschen StiftungsTages 2019 hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen fünf Gäste eingeladen und gefragt, wo die Blinden Flecke des Stiftungssektors liegen. Claudia Langer, Vorstandsmitglied der Generationen Stiftung, stellte Stiftungen die Frage: Was bedeutet es, auf der Höhe der Zeit zu sein?

Mehr Start-up-Kompetenz und mehr Neugier in Stiftungen

Wenn Stiftungen unsere Demokratie schützen wollen, dann ist es aus Sicht von Claudia Langer wichtig, „dass in den Stiftungen mehr Start-up-Kompetenz entsteht, dass in Stiftungen mehr Neugier entsteht, dass Stiftungen mehr dahin gehen, wo die Dinge passieren“. Ihrer Erfahrung nach setzen Stiftungen auch heute noch auf Bewährtes. Es gebe kaum Bereitschaft, Risiken einzugehen. „In Stiftungen erlebe ich das überhaupt nicht“, so Langer weiter. „Ich bekomme wirklich wahnsinnig viel Anerkennung, ich freue mich wirklich über jede Anerkennung. Aber ich gehe immer mit sehr viel Lob und einer leeren Tasche wieder nach Hause.“ Im Sinne der Generationengerechtigkeit sei dies fatal, so Langer weiter.

Claudia Langer geht es insbesondere um das Verhältnis von Ewigkeit auf der einen und Dringlichkeit auf der anderen Seite. Denn dies sei ein „Spannungsverhältnis und ein Blinder Fleck, der uns daran hindern könnte, disruptiv zu handeln“. Die Zukunftsfähigkeit von Stiftungen hängt Langer zufolge von deren Bereitschaft ab, mutig die eigenen Blinden Flecken aufzudecken und neue Wege einzuschlagen. 




Haben wir verstanden?

Dank Claudia Langer wurde deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den kommenden Generationen und deren Zukunftsfähigkeit ist. Denn nur wer sich seinen Schatten stellt und Kritik nicht als Kritik, sondern als Ausgangspunkt einer gemeinsamen Reflexion versteht, kann sich weiterentwickeln und damit auch Dinge verändern. Daher an Sie drei Fragen und eine Bitte:

  • Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch weitere Blinde Flecken? 
  • Wo sollen und wo müssen sich Stiftungen Ihrer Meinung nach mehr engagieren? 
  • Wo und wie müssen wir auf dem #DST20 in Leipzig (weiter-)diskutieren? 

Was denken Sie? Diskutieren Sie hier mit uns:

Kommentar schreiben

Autor
Dr. Mario Schulz

Leiter Themenmanagement
Telefon (030) 89 79 47-29

Alle Beiträge von Dr. Mario Schulz
Zur Person

Claudia Langer ist Unternehmerin und Gründerin der Internetplattform www.utopia.de.

Sie gründete noch in der Schule die Eventagentur Avantgarde und 1992 die Werbeagentur START. 2008 stiftete Langer die Generationen Stiftung, deren Geschäftsführerin sie heute ist. Außerdem berät sie Unternehmen, Politik und Medien. 

Weitere blinden Flecken in der Stiftungslandschaft

Wo lohnt es sich, genauer hinzuschauen? Wir haben fünf Gäste eingeladen und gefragt, wo die blinden Flecken in der Stiftungslandschaft liegen.

Mehr
Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Kontoeröffnung: Welche persönlichen Daten müssen erhoben werden?

Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz, Geldwäschegesetz: Zur Erhöhung der Transparenz bei Kontoeröffnungen sind auch rechtsfähige Stiftungen verpflichtet, umfangreiche Auskünfte über Personendaten der wirtschaftlich Berechtigten zu liefern.

Mehr
Kapital und Wirkung

So rentabel ist Betongold wirklich

Wer eine Immobilie als Geldanlage erwirbt, muss Kosten und Ertrag sorgfältig kalkulieren. Im zweiteiligen Blog-Gastbeitrag erklärt Matthias Krieger, Geschäftsführender Gesellschafter der Krieger + Schramm Unternehmensgruppe, worauf Stiftungen beim Kauf achten sollten. Teil 2: Wie Stiftungen die Rendite bestimmen – und ab wann sich die Investition in Betongold lohnt.

Mehr
Globales Engagement

Zusammenarbeiten, um die Kurve abzuflachen

Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf die afrikanische Philanthropie? Was sind in Zeiten der Pandemie die größten Heraus­forderungen für den Stiftungssektor in Kenia? Und wie geht er damit um? Wir haben bei Nancy Kairo von der African Venture Philanthropy Alliance und Evans Okinyi vom East Africa Philanthropy Network nachgefragt.

Mehr
Stiftungs-News

Hochschulen auf dem herausfordernden Weg zum Wintersemester

Die Corona-Pandemie zwang Hochschulen zu einer Vollbremsung: Der Präsenzbetrieb musste eingestellt, neue Online-Angebote organisiert und das Wintersemester geplant werden. Wie gehen Universitäten mittlerweile mit der Ausnahmesituation um?

Mehr
Unsere Demokratie

Oh wie Ostdeutschland – Impulse aus der Zivilgesellschaft

Trotz oder gerade aufgrund der Covid19-Pandemie wird deutlich, dass es einer starken und vielfältigen Zivilgesellschaft bedarf. Die Initiative Zukunftslabor Ost setzt sich für langfristige Partnerschaften und nachhaltiges demokratisches Engagement in Ostdeutschland ein.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Philanthropie ist ein feministisches Thema

Soll es voran gehen mit der Menschheit, müssen die Stimmen von Frauen durch philanthropische Mittel unterstützt werden, ihre Wahlmöglichkeiten, Partizipation, Bildung und Existenzgrundlagen.

Mehr

Mehr zum Thema

Impuls

Digitale Plattformen neu denken: Förderung von Pluralismus und Inklusion

Digitale Plattformen sind beliebter denn je – können aber auch die soziale Spaltung fördern und unsere eigenen Perspektiven weiter einengen. Doch wie können Stiftungen und weitere Akteure/innen der Zivilgesellschaft ihren Teil dazu beitragen, diese Entwicklung zu bremsen? Ein Plädoyer zur Förderung des Pluralismus. 

Mehr
Impuls

Goodcast im Gespräch mit Felix Oldenburg: Gutes tun und Geld verdienen

Im Gespräch mit Julius Bertram, Gründer und Moderator von Goodcast, diskutiert Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen darüber, warum es wichtig ist, Gutes zu tun und dabei auch noch wirtschaftlich zu arbeiten.

Mehr
Impuls

Ein besseres Neues Normal aktiv gestalten

Das Neue Normal: um die Welt nach der Corona-Pandemie drehen sich viele Gedanken und Gespräche. Wie werden wir leben, arbeiten, wirken in diesem Mix aus Katerstimmung, transformativen Lernerfahrungen und Sehnsucht nach dem Altbekannten? Als der erste Krisen-Schock Mitte Mai verdaut war, hat sich die Stiftung Bürgermut auf ihren Claim besonnen: Neues einfach machen. Denn wie es aussehen wird, das Neue Normal, passiert nicht einfach mit uns. Es liegt als Gestaltungschance und Gestaltungsauftrag in unser aller Hände.

Mehr