Blinde Flecken: Meinungen außerhalb des eigenen Meinungsspektrums

Impuls

Stiftungen haben blinde Flecken, Aspekte, die sie nicht wahrnehmen können oder wollen. Judy Korn, Mitbegründerin und Geschäftsführerin vom Violence Prevention Network, fordert sich stärker mit Meinungen außerhalb des eigenen Meinungsspektrums zu beschäftigen.  

Blinde Flecken sind Herausforderung und Chance zugleich. Sie zeigen einem, was man nicht sehen wollte und geben zugleich einen Hinweis, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Im Rahmen des Deutschen StiftungsTages hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen fünf Gäste eingeladen und gefragt, wo unsere Blinden Flecke liegen. Laut Judy Korn, Mitbegründerin und Geschäftsführerin vom Violence Prevention Network, sind Meinungen außerhalb des eigenen Meinungsspektrums ein Blinder Fleck von Stiftungen.

Aktiv werden, auch außerhalb des Mainstreammeinungsbildes 

Judy Korn, Mitbegründerin und Geschäftsführerin vom Violence Prevention Network, wies auf einen weiteren wichtigen Fleck hin. Laut Korn beschäftigen sich Stiftungen nur wenig mit Menschen, die sich außerhalb des eigenen Meinungsspektrums bewegen. „Wenn Stiftungen sich aber glaubhaft um unsere Demokratie kümmern wollen, wenn Stiftungen Demokratie gestalten wollen, dann müssen sie auch außerhalb des Mainstreammeinungsbildes schauen und aktiv werden und sich damit auseinandersetzen“, so Korn.

Ihre Organisation arbeitet mit denjenigen, die die Demokratie herausfordern oder auch bekämpfen – vorwiegend im Bereich des Rechtsextremismus und Islamismus. „Wir haben es mit denjenigen zu tun, die für ihre Ideologie andere töten. Viele von denen, sitzen inzwischen in Haft. Einige laufen auch draußen rum.“


Demokratiefeinde nicht auf Stiftungsagenda

Korn berichtete sehr plastisch von ihren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Stiftungen. Seit über 35 Jahren arbeite sie an dem Thema. In all den Jahren habe sie keine einzige Stiftung gefunden, die gesagt hätte: „That’s it, genau das suchen wir.“ „Ich habe immer nur Stiftungen gefunden, die meinten, dass das Thema nicht in ihr Portfolio passt. Auch von der Zielgruppe her ist das schwierig. Das tut uns ganz furchtbar leid.“

Ihr Wunsch an Stiftungen lautete daher, „es nicht dabei zu belassen, nur Menschen zu unterstützten, die sich partizipativ an Demokratieprozessen beteiligen und diese zu empowern, sondern auch die Menschen auf dem Radar zu haben, die durch ihre Ideologien großen Schaden verursachen und großen Schaden anrichten können.“ Für Organisationen wie das Violence Prevention Network würde das Engagement von Stiftungen bedeuten, unabhängiger vom politischen Tagesgeschäft zu werden.

Haben wir verstanden?

Dank Judy Korn wurde deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Meinungen außerhalb des eigenen Meinungsspektrums ist. Denn nur, wer sich seinen Schatten stellt und Kritik nicht als Kritik, sondern als Ausgangspunkt einer gemeinsamen Reflexion versteht, kann sich weiterentwickeln und damit auch Dinge verändern. Daher an Sie die Aufforderung und Frage:

  •  Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch weitere Blinde Flecken? 
  • Wo sollen und wo müssen sich Stiftungen Ihrer Meinung nach mehr engagieren? 
  • Wo und wie müssen wir auf dem DST20 in Leipzig (weiter-)diskutieren? 

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Autor
Dr. Mario Schulz

Leiter Themenmanagement
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Zur Person:

Judy Korn ist Dipl.-Erziehungswissenschaftlerin, Co-Leiterin der Working Group EXIT bei RAN (Radicalisation Awareness Network der Europäischen Kommission) sowie Board Member bei Impact Europe. Seit sie vierzehn Jahre alt ist, geht Judy Korn gegen Rechtsextremismus vor und setzt sich mit vorurteilsmotivierter Gewalt auseinander. 2003 gründete Korn das Violence Prevention Network. Für ihr Engagement wurde sie 2007 als Ashoka Fellow ausgezeichnet. 

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