Anlagen in Venture Capital

Wenn Venture-Capital-Anlagen richtig strukturiert sind, können sie als wertvolle ­Portfolioergänzung dienen

Anlagen in Venture Capital können Stiftungen helfen, die Rendite des Portfolios zu steigern und Risiken breiter zu streuen – und obendrein die gesamtwirtschaftliche Innovationskraft hierzulande stärken. Zur Risikodiversifikation, wegen der Know-how-Erfordernisse für Zugang und Auswahl der aussichtsreichsten Investmentopportunitäten sowie auch aus Kostengründen bieten sich für Investoren, die weniger als zehn Million Euro in diese Anlageklasse investieren wollen, Fondsinvestments über eine Dachfondsstruktur an.

In der „Ivy League“ treten die Hochschulsport-Mannschaften der US-Elite-Universitäten gegeneinander an. Harvard, Princeton, Stanford und Yale gelten aber nicht nur beim Nachwuchs-Sport als Maß der Dinge, sondern auch beim Management ihres Stiftungsvermögens: US-amerikanische Universitäten sind stark von privater Finanzierung abhängig, Stiftungen gelten dabei als wichtiges Instrument. Die Stiftungen von Yale und Co. zählen zu den Vorbildern bei der Kapitalanlage, weil sie neben den Anlagen in Aktien und Rentenpapieren auch in Venture-Capital-Investments anlegen, also in innovative Ideen, die von jungen Unternehmen, sogenannte Start-ups, entwickelt werden, investieren. Die Erfahrungen der US-amerikanischen Universitätsstiftungen zeigen, dass Venture Capital die langfristige Rentabilität eines Anlageportfolios deutlich steigert, ohne das Gesamtrisiko unangemessen zu erhöhen. Dank Venture Capital als alternativer, langfristig orientierter Anlageform konnten die US-Stiftungen über Jahrzehnte hinweg nicht nur ihr Kapital erhalten, sondern trotz volatiler Kapitalmärkte zweistellige Renditen erwirtschaften.

Mit Venture-Capital-Investments beteiligen sich Anleger an jungen, innovativen Unternehmen. Während in den USA Stiftungen als regelmäßige Anleger zur typischen Zielgruppe von Venture-Capital-Fonds zählen, hat sich diese Anlageform in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen zur Vermögensdiversifikation noch nicht durchgesetzt. Dabei müssen Stiftungen auch hierzulande aus ihrem Vermögen Erträge erwirtschaften, um ihren Stiftungszweck erfüllen zu können und das Vermögen gleichzeitig in seiner Substanz zu erhalten. Sie stehen damit wie viele andere institutionelle Investoren vor einer großen Herausforderung, vor allem im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld. Die mangelnde Rendite aus Anlagen wie Aktien und Anleihen birgt die Gefahr, den Stiftungszweck nicht mehr angemessen erfüllen zu können und das Stiftungsvermögen aufzuzehren – und letztlich auch das Risiko, die Gemeinnützigkeit aberkannt zu bekommen.

Sicherheitsaspekt nicht aus den Augen verlieren

Prinzipiell gilt: Um hohe Erträge generieren zu können, müssen auch Stiftungen grundsätzlich höhere Anlagerisiken eingehen, ohne dabei den Sicherheitsaspekt aus den Augen zu verlieren. Genau das gelingt, wenn Stiftungen ihrem Portfolio weitere Anlageklassen beimischen, die bei einem vertretbaren Risiko attraktivere Renditen erwirtschaften. Viele Stiftungen meiden bislang alternative Anlageklassen wie Venture Capital, weil sie solche Assets als zu riskant einstufen und weil sie insbesondere in den Anfangsjahren keine laufende Rendite generieren. Stiftungen verfügen jedoch häufig über so große Vermögen und einen ausreichend langen Anlagehorizont, dass sie diese Nachteile ausgleichen können.

Das „Yale-Model“: dank Venture Capital erfolgreich

David Swensen von der US-Elite-Uni Yale hat den Ansatz der Diversifikation über Venture Capital nicht nur als einer der ersten Profi-Investoren angewendet, sondern auch maßgeblich mit entwickelt und damit einen neuen Standard etabliert. Viele institutionelle Investoren haben mittlerweile das sogenannte „Yale Model“ kopiert. Die zentrale Idee dabei ist, ein Portfolio in verschiedene, annähernd gleich große Tranchen verschiedener Anlageklassen aufzuteilen, die so wenig Korrelation wie möglich zueinander aufweisen. Ergebnis ist ein „Multi Asset Class“-Portfolio, mit dem die Yale-Stiftung seit ihren Anfängen in den 1980er-Jahren regelmäßig überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften konnte und auch in den schwierigen Börsenjahren sehr erfolgreich war. Dafür ist bis heute vor allem das Venture-Capital-Programm verantwortlich; im vergangenen Jahr lag Yales Venture-Capital-Allokation bei 19 Prozent.

Aus rechtlicher Sicht sind Venture-Capital-Investments auch für deutsche Stiftungen möglich. Das Bürgerliche Gesetzbuch enthält keine explizite Aussage zur Vermögensverwaltung von Stiftungen. Sie müssen bei der Vermögensanlage lediglich die zivilrechtlichen Vorgaben des Ertragsverwendungs- und Bestandserhaltungsgebots beachten und diese bieten Spielräume, wie Stiftungen die Grundprinzipien umsetzen können. Sollten die Satzung oder selbst auferlegte Anlagerichtlinien Investments entgegenstehen, steht es jeder Stiftung frei, die Regelungen zu ändern und damit den Weg frei zu machen für Venture-Capital-Investments.

Positiver Einfluss auf die Volkswirtschaft

Aus Sicht von Stiftungen ist auch die volkswirtschaftliche und damit gesamtgesellschaftliche Wirkung von Venture Capital bedeutend. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt. Europa muss technologisch international wettbewerbsfähig bleiben und neue Weltmarktführer hervorbringen. Es darf den Anschluss an die digitale Transformation nicht verlieren. Digitales Wachstum ist exponentiell und wird von etablierten „Playern“ oft unterschätzt. Disruptive Innovationen haben bereits zahlreiche Branchen dramatisch verändert.

Solche bahnbrechenden Innovationen entstehen aber in der Regel nicht in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen großer Konzerne, sondern in kleinen, autonom arbeitenden Einheiten und Unternehmen der Technologie-Branche, den derzeit viel beachteten Start-ups. Diese Start-ups benötigen Venture Capital, auf Deutsch dem Wortlaut nach oft als „Wagniskapital“ oder gar irreführend als „Risikokapital“ übersetzt. Besser trifft es die Bezeichnung „Innovationskapital“, denn Venture Capital ist Eigenkapital zur Finanzierung innovativer Produkte oder Dienstleistungen und damit Basis für disruptive Neuheiten.

Mangel an Innovationskapital in Europa entgegensteuern

Im Vergleich zu den USA herrscht in Europa aber immer noch ein Mangel an Innovationskapital. Dieses Marktversagen führt dazu, dass innovative Unternehmer ihre Firmen oftmals gar nicht in Europa, sondern in den USA gründen oder nach der Gründung dorthin auswandern. Es ist daher eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit, in Europa mehr Venture Capital zur Verfügung zu stellen.

Für Stiftungen sind solche Investments also auch ein Instrument, gesamtwirtschaftlich etwas zu bewegen und unsere Gesellschaft von morgen durch Innovation nachhaltig zu prägen. Die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Effekte sollten bei der Investitionsstrategie von Stiftungen nicht außer Acht gelassen werden.

Dachfonds bieten Zugang zur Anlageklasse mit attraktivem Rendite-/ Risikoprofil

Für manche Stiftungsvermögen ist ein Investment in die Anlageklasse Venture Capital schwierig, denn hohe Beteiligungsschwellen können mit dem Erfordernis der Diversifikation des Stiftungsvermögens kollidieren. Auch der dafür nötige verhältnismäßig hohe Ressourceneinsatz ist oft nicht zu rechtfertigen. Zudem hat Yales Anlagestrategie gezeigt, dass die Fondsauswahl ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines solchen Anlageprogramms ist. Stiftungen, die das Yale-Modell kopieren wollen, wird diese Managerauswahl sowie der Zugang zu den aussichtsreichen Fonds jedoch nicht ohne Weiteres möglich sein.

Um mit begrenzten Ressourcen ein qualitativ hochwertiges und diversifiziertes Venture Capital-Portfolio aufbauen zu können, bietet sich daher die Nutzung von Dachfonds an. Eine Dachfondsstruktur bietet einen hohen Diversifizierungseffekt bei attraktivem Rendite-/Risikoprofil, denn über einen Venture-Capital-Dachfonds wird das Portfolio sinnvoll, Risiko- und Transaktionskosten-optimiert um eine Anlage mit hohem Renditepotenzial diversifiziert. In den meisten Fällen ist ein Dachfonds auch ökonomisch der sinnvollste Zugang zur Anlageklasse, da er meist deutlich kostengünstiger ist als der Aufbau eines eigenen Programms.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine Dachfondsstruktur einen hohen Diversifizierungseffekt bei attraktivem Rendite-/Risikoprofil bietet und somit für viele Investoren eine ideale Struktur für Anlagen in innovative und volkswirtschaftlich wichtige Venture-Capital-Investments darstellt.

Über den Autor:

Dr. Holger Seidel

Beitrag aus: Stiftungswelt Frühling 2020
Magazin Stiftungswelt

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Download