Aktuelle Studien zum Wirken im Stiftungs- und Philanthropiesektor – Wo geht die Reise hin?

Junge sitzt auf Rakete
© Ollyy / shutterstock.com

Die Sommerpause ist vorbei! Viele von uns kommen strahlend, mit spannenden neuen Erlebnissen angefüllt aus dem Sommerurlaub zurück. Gelegenheit, um über das eigene Wirken im Stiftungs- und Philanthropiesektor zu reflektieren: Wohin soll die Reise des Wirkens in den nächsten Monaten und Jahren gehen?

In den vergangenen Wochen sind einige Veröffentlichungen erschienen, die uns dafür interessante Anregungen geben können:

Bericht zur globalen Philanthropie

Der Bericht "The Global Philanthropy Report: Perspectives on the global foundation sector" wurde von Experten des „Hauser Institute for Civil Society“ an der Harvard University produziert und von der UBS finanziert. Die Autoren sind der Ansicht, dass wir uns heute in einem „globalen Zeitalter der Philanthropie“ befinden und die Philanthropie wichtige soziale und wirtschaftliche Wirkung haben wird, wenn sie sich so weiterentwickelt, wie wir es über die letzten 25 Jahre beobachten konnten. Sie kamen jedoch auch zu dem Ergebnis, dass intendierte Wirkungen nur erreicht werden können, wenn Stiftungen kooperieren. Der Bericht bietet insgesamt eine gute Möglichkeit über das eigene Stiftungswirken zu reflektieren, entlang der in vier Kapiteln dargestellten Ergebnisse zu Ausmaß, Alter, Klassifizierung (1), finanziellen Ressourcen und Ausgaben (2); Prioritäten und Ziele (3) sowie operationalen Strategien und Ansätzen (4).

Die Zukunft der Philanthropie

„Future Agenda“, die weltweit größte offene Initiative für einen Blick in die Zukunft, hat über einen Zeitraum von zwölf Monaten neun Workshops zu dem Thema "Zukunft der Philanthropie" in Mumbai, Singapore, Kuala Lumpur, Oxford, London, Washington DC, Quito und Dubai durchgeführt und die Resultate in der Publikation The Future of Philanthropy: Insights from multiple expert discussions around the world zusammengefasst. Hier wird betont, dass die Philanthropie in diesem Jahrzehnt an einem entscheidenden Punkt angekommen sei und die drei miteinander verbundenen wesentlichen thematischen Einflussfaktoren und Treiber des Wandels Macht, Wissen und Vertrauen seien. Es werden die „Top 15 zukünftigen Änderungen“ pro Region dargestellt und interessante Unterschiede aufgezeigt. Bei der Lektüre von Future of Philanthropy gehen die Gedanken fast unweigerlich dahin zu überlegen, wie diese erwarteten internationalen Entwicklungen das Stiftungswirken in Deutschland beeinflussen werden.

Wie Stiftungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ihre Zukunft sehen

Eine weitere Studie aus den USA hat sich auf einen anderen Blickwinkel konzentriert. „Emerging Practitioners in Philanthropy“ (EPIP), ein Netzwerk, dass sich um Exzellenz und Gerechtigkeit in der Praxis der Philanthropie bemüht, hat mit Hilfe einer Umfrage untersucht, inwieweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stiftungen ihre eigene Zukunft, die ihrer Organisation und die des Sektors insgesamt sehen. Der Titel "Dissonance & Disconnects" spricht für sich. So hat die Mehrheit der Befragten zum Ausdruck gebracht, dass sie stolz sind in ihrer Institution tätig zu sein. Aber nur 22 Prozent sehen dort eine Zukunft für sich. Auch wurde die Umsetzung von Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion als eher gering beurteilt und auf den Unterschied zwischen den theoretischen Zielen und gelebten Realitäten hingewiesen. Bemerkenswert ist sicherlich auch die Aussage, dass nur 51 Prozent der Befragten die Philanthropie als wirkungsvollen Akteur für den sozialen Wandel einschätzen. Wie würde eine solche Studie wohl in Deutschland ausfallen?

Die Zukunft der Philanthropie in unsicheren Zeiten

Wer sich gern verschiedene Themen der vergangenen 10 Jahre ansehen möchte, um dadurch neue Inspirationen zu gewinnen, der kann beim Philanthropy Forum der Graduate School of Public and International Affairs (GSPIA) fündig werden. Dort gibt es eine Übersicht über die Vorträge, die seit 2009 zu dem Thema "The Future of Philanthropy in Uncertain Times" gehalten wurden. U.a. war dort Jaqueline Novogratz, Gründerin und Geschäftsführerin von Acumen, vertreten. Viele von Ihnen erinnern sich gern an ihren lebendigen und anregenden Vortrag auf dem Deutschen Stiftungstag 2018 und das anschließend von Filiz Bikmen moderierte Gespräch mit Prof. Dr. Rogall, Vorstandsvorsitzender der Robert Bosch Stiftung GmbH und Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Wo wird die Reise Ihres Wirkens in den nächsten Monaten und Jahren hingehen? Nehmen Sie die Impulse, die diese und andere Studien geben auf und setzen Sie sie in Ihrer eigenen Praxis um! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei und freuen uns auf Begegnungen und Austausch mit Ihnen zu Ihren Erfahrungen.

Autor
Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-0

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