von Ulrich Kasparick
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
Herr Minister Rech,
Herr Oberbürgermeister Dr. Salomon,
Herr Landesbischof Dr. Fischer,
Herr Erzbischof Dr. Zollitsch,
Herr Dr. Brickwedde,
lieber Herr Dr. Schmidt,
sehr geehrte Damen und Herren,
es ist für mich eine große Freude, die Laudatio auf Herrn Dr. Schmidt zu halten. Schließlich gehört er zu den wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Stiftungslandschaft und hat diese höchste Auszeichnung für Verdienste um das Stiftungswesen wie kaum ein anderer verdient. Herr Dr. Brickwedde, zu der Auswahl des diesjährigen Preisträgers kann ich den Bundesverband Deutscher Stiftungen nur beglückwünschen. Die Ehrung heute stellt ein besonderes Ereignis dar; denn Sie, Herr Dr. Schmidt, standen bisher allen öffentlichen Ehrungen sehr reserviert gegenüber. Es gibt auch keine Interviews von Ihnen und es finden sich kaum Informationen zu Ihrem vielfältigen persönlichen Engagement im Internet. So werde ich nun versuchen, ein Bild des Preisträgers und seiner Verdienste zu zeichnen.
Herr Dr. Schmidt wurde am 4. Mai 1919 in Halle an der Saale geboren - Herr Dr. Schmidt, innerhalb der ersten 10 Tage und als Sachsen-Anhaltiner ist es mir sicher erlaubt, Ihnen nachträglich noch ganz herzlich zu Ihrem Geburtstag zu gratulieren. Er absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften in Halle, Lausanne und Leipzig, um sich dann nach dem Krieg in Essen als Anwalt mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht niederzulassen. Aus dieser unabhängigen Position heraus wurde Herr Dr. Schmidt ein geschätzter Begleiter und Berater vieler Unternehmen, so z. B. für den Karosseriebauer Karmann oder für Nixdorf, deren Aufsichtsräte er als Vorsitzender leitete; und er war Stiftungsratsmitglied des Weltwirtschaftsforums. Seine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Nixdorf Computer AG bildete das Fundament zur Gründung der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung Westfalen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, man muss sich vor Augen führen, diese Zeit als langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender steht für rasantes Wachstum der Nixdorf Computer AG bis hin zum zweitgrößten Computerhersteller Deutschlands. Ich möchte hier einige Meilensteine, die Herr Dr. Schmidt maßgeblich initiiert und mitgestaltet hat, kurz aufführen, um Ihnen auch einen Eindruck von der die eigene Person zurücknehmenden Art des Geehrten zu geben. Da ist zunächst die Überführung des Unternehmens Nixdorf in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1968, die schrittweise Internationalisierung der Nixdorf Computer AG, die Mitwirkung des Unternehmens im politischen Raum, die personellen Entscheidungen nach dem Tod von Heinz Nixdorf im Jahr 1986, die Veräußerung des Unternehmens an die Siemens AG und die Gründung der beiden Stiftungen, nämlich der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung Westfalen.
Der Einfluss auf diese Weichenstellungen wäre dem Geehrten nicht möglich gewesen ohne ein tiefes Vertrauensverhältnis mit Heinz Nixdorf und seiner Familie. Dieses kam sicher nicht von ungefähr. Herr Dr. Schmidt war und ist nicht die "graue Eminenz" im Hintergrund, sondern alle, die mit ihm zu tun haben und hatten, berichten, dass er die Begegnung sucht, dass er aufmerksam zuhört, neugierig unterschiedliche Positionen aufnimmt und konstruktiv nach Lösungen strebt. Er sucht die Begegnung zum Mitmenschen, und er ist stets bestrebt, im positiven Sinne, Dinge zu beeinflussen und zu verändern.
Heinz Nixdorf sagte vor etwa 20 Jahren: "Vor dem Himmel kommt das Leben auf Erden, und da gilt es, eine soziale Gesellschaft aufzubauen." Sie, lieber Herr Dr. Schmidt, führen uns mit Ihrem Engagement für die Stiftungen eindrucksvoll vor Augen, was das heißt.
So spiegelt sich die Persönlichkeit des Vorsitzenden in der Konstruktion der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung Westfalen ebenso stark wider. Denn die Förderung erfolgt in der Mehrzahl der Projekte nicht unmittelbar operativ, sondern mittelbar in Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern. Dabei sind die Nixdorf Stiftungen nicht etwa nur passive Geldgeber, sondern sie wirken aktiv auch bei der inhaltlichen Projektgestaltung mit. Nicht die Publizität eines Projektes steht im Mittelpunkt, sondern dessen gesellschaftliche Hebelwirkung. Gerade diese Hebelwirkung wird durch die strategischen Partnerschaften verstärkt. Die Liste der Kooperationspartner ist zu lang um sie alle zu nennen, stellvertretend seien der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die Ludwig-Erhard-Stiftung, die Bertelsmann Stiftung, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und die Stiftung der Deutschen Wirtschaft angeführt.
Mit seinen beiden Vorstandskollegen, Herrn Dr. Horst Nasko und Herrn Martin Nixdorf, fördert Herr Dr. Schmidt wegweisende Projekte in den Bereichen Stärkung des demokratischen Staatswesens, Wissenschaft, Ausbildung, Bildung und Gesundheit.
Ein wesentliches Thema im Bereich des demokratischen Staatswesens ist dabei die Erhaltung und Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft. Hier sind es Projekte wie "Wirtschaft in die Schule" oder "Ökonomische Bildung online", die die wirtschaftlichen Themen durch Materialien, Lehrerfortbildungen und durch Veranstaltungen auch direkt in den Schulunterricht tragen, ganz im Sinne von Heinz Nixdorf in sozialer Verantwortung für die Mitarbeiter der Unternehmen, für die Region und für die Gemeinschaft.
Andere Kooperationsprojekte, z. B. die Förderung der Stiftung politische und christliche Jugendbildung, die SommerAkademie Europa oder die Summer School "Global Governance", gelten der Nachwuchsförderung. Nennen möchte ich auch den Bundeswettbewerb "Jugend debattiert", der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Allein im Schuljahr 2004/2005 haben sich ca. 40.000 Schülerinnen und Schüler mit ca. 1.200 Lehrkräften an dem Debattenwettbewerb zur sprachlichen und politischen Bildung beteiligt.
Auch bei anderen Bildungsprojekten geht es den Stiftungen nicht um formale Bildung. Es geht nicht um ein enges Verständnis von Wissensvermittlung, sondern um Menschenbildung, d. h. um Fragen von Werthaltungen, von Vorbildern und der Weiterentwicklung unserer demokratischen Gesellschaft. Albert Einstein sagte einmal: "Weisheit ist nicht das Ergebnis von Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben." Unter Ihrem Vorsitz, lieber Herr Dr. Schmidt, engagieren sich die beiden Stiftungen in beeindruckender Weise in diesem Sinne.
Konsequenterweise stellt sich das weltweit größte Computermuseum, das von der Stiftung Westfalen getragen wird, nicht als Technikmuseum auf, sondern als Bildungseinrichtung, als Heinz Nixdorf MuseumsForum, das sich neben der Geschichte der Kulturtechniken des Schreibens, Rechnens, Zeichnens, Steuerns und Kommunizierens mit einem umfangreichen Veranstaltungsangebot den gesellschaftlichen Fragen des Informationszeitalters widmet. So ist zwar der Standort des Heinz Nixdorf MuseumsForums die Region Paderborn, aber die Diskussion wirkt weit über die Region hinaus, ebenso wie bei dem von der Heinz Nixdorf Stiftung getragenen Forschungszentrum für Informationstechnik der Universität Paderborn. Dieses stellt mit seinen vielen Ausgründungen einen Impuls und wichtigen Standortfaktor für die Region dar und entfaltet mit 250 Doktoranden aus den letzten 10 Jahren, die übrigens weitgehend Führungspositionen in der Wirtschaft bekleiden, eine überregionale gesamtgesellschaftliche positive Wirkung.
Das Engagement im Bereich der Wissenschaft wird ergänzt durch die Förderung von zahlreichen Stiftungslehrstühlen an deutschen Hochschulen, unter anderem, was mich besonders freut, in allen neuen Bundesländern, durch die Förderung des "Deutschen Zukunftspreises des Bundespräsidenten für Technik und Innovation", der 1997 durch die Heinz Nixdorf Stiftung initiiert wurde, oder durch die Beteiligung an Veranstaltungen der durch das Bundesforschungsministerium initiierten Wissenschaftsjahre. So unterstützt die Heinz Nixdorf Stiftung im diesjährigen Einstein-Jahr die vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte entworfene Ausstellung "Albert Einstein - Ingenieur des Universums".
Es würde den Rahmen sprengen, das ganze Spektrum der Aktivitäten der Stiftungen aufzuführen. Es ist beeindruckend und trägt Ihre Handschrift, Herr Dr. Schmidt. Medienkompetenz, Weltoffenheit, Unternehmergeist, Innovationsfähigkeit und Gemeinsinn, das sind Orientierungspunkte im Bildungs- und Forschungsengagement der Nixdorf Stiftungen. Mit diesem Engagement sind diese Stiftungen Leuchttürme für ein privates Stiftungsengagement im Forschungs- und Bildungsbereich und ein wichtiger Partner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in seinem Bemühen, das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung von Forschung und Bildung als Motor für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und für den Erhalt des Wohlstandes in unserem Land zu prägen, Innovationen und wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern sowie öffentliche und private Mittel optimal zu verknüpfen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich halte den Stiftungsgedanken für wegweisend. Das Engagement privatrechtlicher Stiftungen ist heute aus weiten Bereichen von Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur nicht mehr wegzudenken. Ich mache jedoch keinen Hehl daraus, dass ich mir ein noch stärkeres Stiftungsengagement im Bereich Bildung und Forschung wünschen würde. Die hohe Arbeitslosigkeit und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland machen die Dringlichkeit eines verstärkten Engagements in Forschung, Bildung und Innovation überdeutlich. Gerade in Zeiten finanzieller Engpässe ist der Staat darauf angewiesen, dass sich Privatleute, ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst, mit eigenen Finanzmitteln für gemeinnützige Zwecke engagieren und "stiften gehen". Es ist selbstverständlich, dass Stiftungen grundsätzlich subsidiär und ergänzend zur öffentlichen finanziellen Förderung wirken. Der Staat darf seine eigenen Anstrengungen nicht reduzieren. Er darf sich nicht zurücklehnen und sagen: Die Privaten sollen mal den Hochschulen das fehlende Geld beschaffen. Es ist natürlich zentrale Verantwortung des Staates, ein leistungsfähiges Forschungs- und Bildungssystem bereitzustellen. Wir, die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern, müssen aber aufpassen, dass wir die Bereitschaft, privates Vermögen für Forschung und Bildung zu stiften, nicht durch machtpolitisch motiviertes Gezerre um Zuständigkeiten zerstören. Wir brauchen vielmehr den gesellschaftlichen Konsens, den wir bezogen auf die notwendigen Bildungsreformen im Forum Bildung bereits gefunden hatten.
Stiftungen wie Ihre, Herr Dr. Schmidt, haben gegenüber staatlicher Förderung den Vorteil, spontaner und flexibler auf neue Fragen in Forschung, Wissenschaft, Bildung und Kultur reagieren zu können. Sie können schneller Pilotprojekte anschieben, Stiftungsprofessuren initiieren, Innovationen fördern und, um es auf den Punkt zu bringen, Impulsgeber sein. Um die kreativen, innovativen Möglichkeiten und Chancen bürgerschaftlichen Engagements bestmöglich zu nutzen und vor dem Hintergrund, dass das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland seit Jahren kontinuierlich steigt, hat die Bundesregierung das Stiftungsrecht in den letzten Jahren reformiert und damit die Rahmenbedingungen für Stiftungen verbessert. Die Errichtung gemeinnütziger Stiftungen in Deutschland wurde vereinfacht und die Stifterfreiheit wurde gestärkt. Ein Schritt mit übrigens großem Erfolg - ein Rekordzuwachs von 852 Stiftungen allein im letzten Jahr!, aber auch ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der die Sozialbindung des Kapitals öffentlich recht unterschiedlich diskutiert wird. Doch die rund 13.000 deutschen Stiftungen stellen nicht nur finanzielle Mittel zur Verfügung, sondern gestalten auch aktuelle Diskussionsprozesse zur deutschen bildungs- und wissenschaftspolitischen Landschaft mit. Dieser "Stiftungsblickwinkel" wie Sie ihn auch verfolgen, Herr Dr. Schmidt, ist wichtig, da er dazu beiträgt, einen breiten gesellschaftlichen Konsens zu fördern.
Daher wünsche ich mir auch in neuen Stiftungen Persönlichkeiten wie Sie, Herr Dr. Schmidt, die ein Gespür haben für wichtige Schwerpunkte, für das Machbare, für die Einflussmöglichkeiten.
Herr Dr. Schmidt, Sie haben den Maßstab für Stiftungspersönlichkeiten sehr hoch gehängt. Nicht nur was das Lebensalter und das aktive Wirken angeht, sondern auch, was die Strahlkraft der durch Sie ins Leben gerufenen Aktivitäten angeht. Sie sind als Person und mit dem was Sie geleistet haben ein wirkliches Vorbild der deutschen Stiftungslandschaft. Ich weiß, dass Sie Ihre eigene Person gern ein wenig in den Hintergrund stellen, getreu dem Satz von Albert Einstein: "Nicht auf Personen kommt es an, sondern auf Werke im Dienste der Gemeinschaft." Oder wie Friedrich von Schiller es sagte: "Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt." Heute jedoch müssen Sie da mal durch, heute denken wir alle an Sie als Persönlichkeit, lieber Herr Dr. Schmidt. Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zur Verleihung der Goldmedaille für Verdienste um das Stiftungswesen.