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Dankesrede

Dankesrede von Dr. Gerhard Schmidt

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

ich bin ganz ergriffen und würde am liebsten einfach so verschwinden. Mir wurde von Freunden empfohlen, nicht frei zu sprechen. Deswegen möchte ich mich streng an das von mir diktierte Konzept halten. Ich hoffe, dass es gelingt und ich auch durchhalte.

 
Ich bin sehr berührt, nicht durch das, was über mich gesagt wurde, sondern darüber, wie motiviert und auf welch hohem Niveau hier über den Stiftungsgedanken und über das Stiftungswesen gesprochen wurde; ebenso darüber, wie meine Vorgänger, welche die Goldmedaille auch bekamen, hier erwähnt wurden.

 
Dazu muss ich anmerken, dass ich es erlebte, als Herr Kübel - ein toller Mann, etwa auch in meinem Alter - den entscheidenden Satz sagte: "Womit kann ich dienen?" Dieser Satz war mir so aus dem Herzen gesprochen, schon von klein auf. In diesem Zusammenhang muss ich Ihnen auch noch einen anderen Gedanken mitteilen: Ich war eingeladen zu einer Geburtstagsfeier mit ungefähr 300 Personen bei Herrn Prof. Merkel. Er sagte damals vor etwa 20 Jahren das erste Mal öffentlich: "Meine Damen und Herren, das Wesentliche im Leben ist zu dienen." Dieser Gedanke kam mir eben spontan in den Kopf, als ich Herrn Dr. Brickwedde Herrn Kübel zitieren hörte, das hat mir sehr gefallen.

 
Sehr geehrter, lieber Herr Bundespräsident, sehr geehrte Festversammlung, herzlich danke ich den Gremien des Bundesverbandes, insbesondere den Damen und Herren im Vorstand und im Beirat, dass ich auserkoren wurde für die Goldmedaille. Diese Entscheidung kam für mich völlig unerwartet. Ich habe die Ehrung gerne angenommen, auch, weil der Stifter Heinz Nixdorf sich darüber sicher sehr freuen würde.

 
Das Kapital seiner beiden gemeinnützigen Stiftungen stammt aus den wesentlichen Teilen seines persönlichen Vermögens. Er war das Vorbild des innovativen und vor allem sozialen Unternehmers, der mit dem Unternehmensgewinn in erster Linie Arbeitsplätze schaffen wollte. Ich finde es gemein von Ihnen, Herr Laudator, lieber Landsmann, dass Sie das Zitat, das ich hier jetzt einfügen wollte, schon vor mir verwendet haben. Es ist ein Zitat von Heinz Nixdorf aus dem Jahre 1986: "Vor dem Himmel kommt das Leben auf Erden. Und da gilt es, eine soziale Gesellschaft aufzubauen."

 
Wenn ich über Heinz Nixdorf rede, sage ich immer aus tiefster Überzeugung: Das ist das Vorbild des sozialen Unternehmers. Mit Recht wurde er von Herrn von Weizsäcker als erster Medaillenträger der sozialen Marktwirtschaft auserkoren; nicht nur weil er aus damaliger Sicht und nach Herrn von Weizsäckers Worten "der erfolgreichste Unternehmer der Nachkriegszeit war", sondern weil er auch ein sozialer Unternehmer war. Heinz Nixdorf wollte in erster Linie aus dem Unternehmensgewinn heraus Arbeitsplätze schaffen. Sein Vermächtnis ist und bleibt Grundlage für das Wirken der beiden Schwesterstiftungen, der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung Westfalen. Meine Damen und Herren, ohne ihn stünde ich nicht hier. Das möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen.

 
Meine Freude über die hohe Anerkennung meiner Person wurde noch gesteigert durch die Mitteilung, dass Sie, sehr geehrter, lieber Herr Bundespräsident, die Verleihung vornehmen würden. Ich danke Ihnen von Herzen für diese besondere Ehre.

 
Ich erlaube mir hier, eine kleine Begebenheit einzufügen: Vor einigen Monaten hatte ich die Freude, beim Abendessen im Schloss Bellevue aus Anlass der Verleihung Ihres Deutschen Zukunftspreises für Technik und Innovation links neben Ihnen zu sitzen. Rechts von Ihnen saß übrigens die leider heute verhinderte Frau Bundesministerin Bulmahn. In meiner kecken Art sagte ich bereits vor dem zweiten Glas Wein, wie gut es für Deutschland sei, mit Ihnen den richtigen Mann am richtigen Platz zur richtigen Zeit zu haben; inzwischen bestätigt sich mehr und mehr diese Vermutung in vollem Umfang, zuletzt durch Ihre sehr gute und ausgewogene Rede zum 8. Mai, die große Zustimmung gefunden hat und Beifall verdient.

 
Sehr geehrter Herr Staatssekretär Kasparick! Das gehört für mich zu den Überraschungen des heutigen Tages, dass Sie ein Landsmann von mir sind. Das spricht sehr für Sie. Deshalb war wahrscheinlich auch Ihre Laudatio so glänzend und nicht nur meine Person.

 
Was Sie heute über mich gesagt haben, hat mir natürlich gefallen, weil es nur Positives enthielt und weil meine Schwächen verschwiegen wurden. Die Aktivitäten der beiden Nixdorf Stiftungen wurden von Ihnen erstaunlich ausführlich, fast aus dem Stehgreif und sehr charmant beschrieben. Also, man hört Ihnen gerne zu, und ich empfehle Sie als Redner weiter. Beispielhaft erwähnten Sie auch die Kooperationspartner der beiden Stiftungen. Wir haben das Glück, Projektgefährten zu haben, welche die so wichtige operative Projektarbeit mit bestem Erfolg durchführen. Es ist sehr gut, dass aus dieser Zusammenarbeit auch menschlich bereichernde Beziehungen entstehen konnten. Ich sehe hier einige davon im Saal.


Besonders hervorheben möchte ich, dass meine Stiftungsaktivitäten wesentlich mitgestaltet werden durch meine beiden Vorstandskollegen Dr. Horst Nasko und Martin Nixdorf sowie durch meinen Partner Dr. Bernd Klein, dem ich für seinen umfassenden Einsatz besonders dankbar bin. Nach diesen herzlichen Danksagungen - hoffentlich habe ich niemanden vergessen - erlaube ich mir noch einige Bemerkungen über mich.

 
Da ich immer schon vermessen war, wollte ich von klein auf die Welt verbessern. Im Laufe der Jahre habe ich erfahren, dass ich in erster Linie an mir selbst arbeiten muss. Erst wenn ich als Selbst aus eigener Beschaffenheit etwas bewirken kann, kann es für andere gut sein.

 
Als Anwalt wollte ich dem Mandanten insbesondere mit Rat dienen, als Unternehmerbegleiter habe ich versucht, deren positive Entwicklung zu fördern. Als jahrzehntelanger enger Gefährte von Klaus Schwab, dem Gründer und Präsidenten des Weltwirtschaftsforums in Genf, habe ich besonders eindrucksvoll erleben können, fast 30 Jahre lang, dass die Förderung des Menschen, seines Selbst, seiner Qualität, seiner Erkenntnis- und Erfahrungsmöglichkeiten und das Zusammenbringen von einflussfähigen Personen genau diesem Menschen und dem Fortschritt der Gesellschaft dient.

 
Vor vielen Jahren kam mir auf dem Weg zur Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos spontan die Erkenntnis, dass das globale Ziel unserer menschlichen Bemühungen die solidarische Gesellschaft in Freiheit sein sollte und zwar weltweit: in der Nation, in der Region, überall. Die solidarische Gesellschaft in Freiheit, das ist das Leitbild. Diese Zielsetzung habe ich nicht nur in Davos zu verbreiten versucht, sie ist auch - mit einer Reihe von Unterzielen - Grundlage unserer Stiftungsarbeit.

 
Dieser Zielsetzung dienen auch mehrmals jährlich gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Journalistenrunden mit bis zu 30 wesentlichen Medienvertretern und gemeinsam mit der Ludwig-Erhard-Stiftung veranstaltete Kamingespräche mit bis zu 30 jüngeren Parlamentariern der im Bundestag vertretenen Parteien. In diesen Veranstaltungen versuchen wir, in entspannter Atmosphäre bei politischen Gestaltern und Multiplikatoren durch Expertenvorträge und durch die anschließende Diskussion zu einer Wissens- und Meinungsbildung beizutragen, die dem Menschen und uns allen dient und damit gemeinnützig ist.

 
Meine Damen und Herren, die gemeinnützigen Stiftungen können und sollten in ihrer Unabhängigkeit - je nach ihren Möglichkeiten - durch ihre zeitgemäßen und zukunftsgerichteten Projekte Dienst am Menschen - womit kann ich dienen? - und für den Menschen leisten, damit der Mensch persönlich gestärkt und fördernd in unserer Gesellschaft und in der Welt voll da sein kann - ohne Zukunftsängste und mit positivem Denken, mit Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und in Selbstverantwortung.

 
Abschließend und vielleicht auch etwas motivierend möchte ich Ihnen sagen: Der Einsatz für gemeinnützige Stiftungen ist eine lohnende und höchst befriedigende Tätigkeit! Ich selbst sehe mich auch wegen dieses Einsatzes als ein jetzt gerade mal 86-jähriges Glückskind. Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben und wünsche Ihnen allen frohe Pfingsten.

 
 
© 2012 Bundesverband Deutscher Stiftungen