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Preisträger und Nominierte

Am 11. November 2010 hat Dr. Wilhelm Krull, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, die Preisträger des KOMPASS 2010 im Rahmen einer feierlichen Verleihung im Museum für Kommunikation Berlin bekannt gegeben. Sie wurden zuvor von einer unabhängigen Jury aus insgesamt 60 Einreichungen ausgewählt.

 

Verliehen wurde der Preis in den Kategorien

Gewinner in der Kategorie Gesamtauftritt

St. Dominikus Stiftung Speyer

Vor dem Hintergrund immer knapper werdender Mittel wurde 2003 die St. Dominikus Stiftung Speyer als Dach der zwölf Einrichtungen der Diözese Speyer errichtet. Es galt, dafür einen neuen Gesamtauftritt zu finden, der zu Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen ebenso passt, wie zu Hospiz und Krankenhaus. Seit dem 19. Jahrhundert engagieren sich Dominikanerinnen in den zwölf Einrichtungen der Diözese Speyer, doch in den vergangenen Jahrzehnten haben nicht-kirchliche Mitarbeiter die Ordensschwestern zunehmend ersetzt. Die dominikanischen Werte in der täglichen Arbeit lebendig zu halten, ist daher wesentliches Ziel der Kommunikationsstrategie. Die Stiftung setzt auf eine starke interne Kommunikation, um die gemeinsame Identität zu bestimmen und die Akzeptanz der Kommunikationsmaßnahmen zu erhöhen. Die KOMPASS-Jury beeindruckte diese Prozesshaftigkeit der Stiftungskommunikation: Mehr als 1.500 Mitarbeiter wurden in den mehrjährigen Identitätsprozess eingebunden und die Ergebnisse in einem Identitätshandbuch festgeschrieben, das die dominikanischen Werte Miteinander – Füreinander, Achtung der Menschenwürde, Dialogbereitschaft und Achtsamkeit in den Vordergrund stellt. Darüber hinaus führen ein klares Corporate Design und eine sensible Bildsprache heute zu einer einheitlichen Wahrnehmung aller Einrichtungen in der Öffentlichkeit. Im Laufe des geschilderten Prozesses haben die Einrichtungen fast 100 ehrenamtliche Helfer gewinnen können.

Nominierte Stiftungen

1986 errichtete Henri Nannen, der Gründer und langjährige Chefredakteur des Magazins STERN, gemeinsam mit seiner Frau Eske die nach ihnen benannte Stiftung, die Trägerin der Kunsthalle Emden ist. Erstes Ziel der Stiftung Henri und Eske Nannen war es, eine "lebendige Begegnungsstätte zwischen Bürgern und Bildern" zu schaffen. Eine hochkarätige Schenkung des Galeristen Otto van de Loo gab zehn Jahre später den Anstoß zum Ausbau. Mit bis zu 100.000 Besuchern jährlich hat sich die Kunsthalle in der kleinen ostfriesischen Stadt inzwischen zu einem Ausstellungshaus mit internationaler Ausstrahlung entwickelt. Mit dieser überraschend dynamischen Entwicklung konnten weder die finanzielle Ausstattung noch der kommunikative Auftritt mithalten. Daher wurden im Jahr 2010 die Vorschläge einer Diplomarbeit aufgegriffen und das Erscheinungsbild vom Logo bis hin zu den Farben professionell überarbeitet. Die Persönlichkeit der Stiftung wird durch ein klares Kommunikationsprofil zugänglich und sympathisch vermittelt. Als wichtigste Informationsplattform für Museumsbesucher dient die übersichtlich strukturierte neue Internetseite. Sie integriert Video-Interviews und bindet soziale Netzwerke ein. Die Kunsthalle Emden ist gut gerüstet für künftige Erweiterungen und für das 25jährige Jubiläum im kommenden Jahr. Die KOMPASS-Jury lobt: "Der Gesamtauftritt der Stiftung ist professionell und stilvoll und zeigt eine überzeugende handwerkliche Qualität."

Gewinner in der Kategorie Projektkommunikation

ZNS – Hannelore Kohl Stiftung, Bonn

Schulprojekt "Go Ahead"

Seit 1983 setzt sich die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung für Menschen mit Schäden des zentralen Nervensystems ein. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Prävention: Durch Aufklärung über Risiken und Schutzmaßnahmen will die Stiftung die Zahl der Kopfverletzungen mit schweren Folgen reduzieren. Allein 2009 sind mehr als 75.000 Radfahrer in Deutschland bei Verkehrsunfällen verletzt worden. Damit mehr Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg, in der Freizeit und beim Sport einen Helm tragen, hat die Stiftung 2004 den bundesweiten Kreativwettbewerb "Go Ahead" ins Leben gerufen. Ob im Deutsch-, Musik- oder Kunstunterricht: Schüler im Alter von 11 bis 20 Jahren sind aufgefordert, sich kreativ mit verkehrssicherem Radfahren zu beschäftigen. Am Ende entstehen Wettbewerbsbeiträge in den Kategorien TV-Spot, Fotostory, Kurzgeschichte oder Songtext. Statt mit erhobenem Zeigefinger wird Helmschutz als modernes Medienprojekt mit Spaß und Action inszeniert. Durch die von den Jugendlichen selbst entworfenen Beiträge gelingt es, das Thema in der Altersgruppe glaubhaft zu vermitteln. Die KOMPASS-Jury hebt vor allem die strategische Zusammenarbeit mit Multiplikatoren und die zielgruppengerechte Ansprache hervor. Lehrer werden mit kostenlosen Arbeitsblättern, Broschüren und Vorschläge zur Stundengestaltung unterstützt. Im Schuljahr 2009/2010 fand der Wettbewerb zum 6. Mal statt, insgesamt hatte er bisher 3.500 Teilnehmer. Über 60 Millionen Leserkontakte erreichte die Stiftung allein in gedruckten Medien.

Nominierte Stiftungen

Foto: Axel Menzel

Bürgerstiftung Braunschweig
Projekt "Lichtparcours 2010 – Kunst braucht engagierte Bürger"

Bereits im Expo-Jahr 2000 hatte die Stadt Braunschweig ein großes Lichtinstallationsprojekt initiiert, bei dem vierzehn Künstler ihre Arbeiten an den Brücken des Umflutgrabens der Oker präsentierten. Die Aktion fand bei den Bürgern und den auswärtigen Besuchern großen Anklang: Sie rief versteckte Oker-Brücken ins Bewusstsein und trug zu einem neuen "Wir-Gefühl" der Braunschweiger bei. 2010 sollte erneut ein "Lichtparcours" stattfinden. Zur Umsetzung fehlten jedoch bedingt durch die Konjunkturkrise und gekürzte Sponsorenetats finanzielle Mittel. Mit Hilfe der 2003 gegründeten Bürgerstiftung Braunschweig und ihrer "Initiative zur Realisierung des Lichtparcours 2010" konnte das Gesamtprojekt auf den Weg gebracht werden. Mit vielen ungewöhnlichen Einzelmaßnahmen und großem Engagement rief die Stiftung zu Spenden für "SPAWN", eins der sieben später realisierten Kunstwerke, auf. Die Bürgerstiftung nutzte für Einladungen und Spendenaufrufe beispielsweise das Intranet großer Firmen und städtischer Betriebe. Sie organisierte eine Kunstauktion, außerdem ein Lichtfest, bei dem die Besucher selbst aufgefordert waren, als Lichtskulptur zu erscheinen. An vier Tagen fand eine Infoaktion in der City statt. Insgesamt beteiligten sich mehr als 242 Spender an der Aktion und die Stiftung gewann 14 neue Zeitstifter sowie acht Kooperationspartner. Dies hat auch die KOMPASS-Jury überzeugt: "Das Projekt hatte eine große Hebelwirkung; die Stadt und ihre Bürger konnten motiviert werden, sich zu engagieren. Der Kommunikationserfolg der Bürgerstiftung Braunschweig zeigt sich in der Vielzahl neuer Spender und Partner, die mit der Aktion gewonnen wurden."

 

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Berlin

Programm "Lichtpunkte"

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützt mit dem Programm "Lichtpunkte" bestehende Initiativen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie konsequent bei den Stärken von Kindern und Jugendlichen ansetzen. So können von Armut betroffene Kinder erreicht werden, ohne sie zu stigmatisieren. Die Initiativen bewerben sich und werden von einer Fachjury für das Programm ausgewählt. Jeden "Lichtpunkt"-Ort begleitet die Stiftung mindestens ein Jahr inhaltlich und organisatorisch. Insbesondere zielt die Programmkommunikation auf die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit der Projektbeteiligten. Die Initiativen lernen ihre Themen seriös, leicht und wertschätzend zu transportieren. Die Stiftung stellt hierzu PR-Handwerkszeug und Kontakte zur Verfügung. Auf diese Weise trägt sie dazu bei, stabile Strukturen und Netzwerke zu etablieren. Durch die Professionalisierung kleinerer Initiativen bedient die Stiftung einen wichtigen Hebel für eine verstärkte Wahrnehmung ihrer Themen in der Öffentlichkeit und zur Verbreitung guter Ideen. Bundesweit sind aktuell 27 Initiativen ausgewählte "Lichtpunkte". Das Programm im einheitlichen Corporate Design wird durch vielfältige Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit, wie einem Internetauftritt, einer Broschüre und intensiver Medienarbeit abgerundet. Die Meinung der Jury: "Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung verfolgt mit dem Programm 'Lichtpunkte' eine Empowerment-Strategie. Sie befähigt kleinere Initiativen, ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Mit ihrem PR-Konzept hat sie eine Marke geprägt, die bundesweit sichtbar ist."

Gewinner in der Kategorie Einzelne Kommunikationsmaßnahme

Klaus Tschira Stiftung gGmbH, Heidelberg

Publikation "Schlau kochen"

Die Klaus Tschira Stiftung gehört zu den zehn größten Stiftungen privaten Rechts in Deutschland. Sie fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Dabei will sie insbesondere die Faszination der Naturwissenschaften an Kinder und Jugendliche weitergeben und setzt sich daher für neue Formen der Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte ein. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist „Schlau kochen – Ein Entdeckerkochbuch für neugierige Kinder und Erwachsene“, mit dem die Klaus Tschira Stiftung für die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten begeistern will. Dieses außergewöhnliche Kochbuch erläutert in zahlreichen Experimenten spielerisch die chemischen und physikalischen Geheimnisse des Kochens: Warum werden Scampi beim Braten rot? Was macht das Sauerkraut so sauer? Wie funktioniert eine Essigrakete? Das sind Fragen, die Kinder und Eltern mithilfe des Buchs ganz einfach beantworten lernen. Durch Ausprobieren und Erkunden werden sie mit allen Sinnen angesprochen. Die KOMPASS-Jury würdigt das Kochbuch als „eine innovative und besonders nachhaltige Kommunikationsmaßnahme, mit der Kindern die Naturwissenschaften schmackhaft gemacht werden.“ Die Markteinführung des Buchs im September 2009 wurde durch Kinderkochevents und Gewinnspiele begleitet. Bereits wenige Monate danach war die Erstauflage vergriffen, bis Juli 2010 wurden 4.000 Exemplare verkauft.

Nominierte Stiftungen

Foto: Brigitte Erm

Bürgerstiftung Lebensraum Aachen

Plakataktion "20 Jahre Kinderrechte"

Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention" im Herbst 2009 initiierte die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen eine Plakataktion, bei der 40 Kinder und Jugendliche aus Aachen auf ihre Rechte hinweisen. Auf lebensgroßen schwarz-weiß Plakaten präsentieren die jungen Protagonisten ihr eigenes Statement auf einem Schild: "Mein Recht ist – mitreden zu können!" oder "Mein Recht ist – Spinat mit Ei und Kartoffeln zu essen!". Ziel der Aktion war es, Kinder und Jugendliche selbst zu Wort kommen zu lassen und durch diese Verbindung mit realen Personen aus dem eigenen Stadtteil, beim Betrachter einen Denkprozess anzuregen. Für den Fall, dass Plakate mutwillig beschädigt werden, hatte die Stiftung vorab kleine "Dialogplakate" zum Überkleben vorbereitet, z.B. mit dem Wortlaut "Mensch, Du missbrauchst Dein Recht auf Freiheit. Schade!". Mit wenig Mitteln – die ehrenamtlich von Designerin Brigitte Erm erstellten großformatigen Fotografien wurden kostensparend auf Schwarzweiß-Kopierpapier gedruckt – wurde viel erreicht: In der lokalen Presse stieß die Aktion auf sehr gute Resonanz, wodurch sich die Bekanntheit der Bürgerstiftung in der Stadt erhöhte. Nicht zuletzt gingen die mitwirkenden Kinder und Jugendlichen mit gestärktem Bewusstsein für ihre Rechte aus der Plakataktion hervor. Die Jury hob vor allem die Authentizität der Bilder sowie die einfache und gleichwohl überzeugende Umsetzung bei geringem Budget hervor: "Die Plakataktion für Kinderrechte ist ein hervorragendes Beispiel dafür, auf welch kreative Weise Bürgerstiftungen mit wenig Mitteln aber viel Engagement etwas bewegen, das alle angeht."

Stiftung einfach helfen der Diakonie Michaelshoven
Bürogolfturnier "Wir bleiben am Ball"

Mit mehr als 1.700 Mitarbeitern und 6.700 betreuten Menschen jährlich ist die Diakonie Michaelshoven e.V. der größte diakonische Träger im Raum Köln. Um seine Projekte finanziell zu unterstützen, hat der Verein 2008 die Stiftung einfach helfen errichtet. Doch wie führt man potenzielle Großspender und Gremienmitglieder am besten an eine soziale Einrichtung heran? Statt zu einer Besucherführung oder einem Tag der offenen Tür lud die Stiftung 110 Unternehmer – Geschäftsführer und Vorstände zu einem abendlichen Bürogolfturnier ein. Fast die Hälfte der Eingeladenen sagte zu. Die Teilnehmer spielten einmal quer über den Campus der Diakonie, wobei leitende Mitarbeiter der Diakonie die Teams über das Spielfeld führten. In den einzelnen Einrichtungen erzählten Mitarbeiter in kurzen, lebendigen Vorträgen von ihrer Arbeit. Die Kinder aus der stationären Jugendhilfe feuerten die Spieler dabei lautstark an. Das Bürogolfturnier hatte die Stiftung auf dem Kölner Stiftungstag von einer Agentur gewonnen. Es ließ sich daher kostenneutral durchführen. "Mit der originellen Idee eines Bürogolfturniers ist es gelungen, neue Förderer an die Stiftung heranzuführen und Berührungsängste zu nehmen", urteilt die KOMPASS-Jury. Quantitative Ergebnisse belegen den Erfolg: Die Stiftung konnte neben Spenden in Höhe von 5.000 Euro mit einem Schlag drei neue Beiratsmitglieder gewinnen. Eine gute Presseresonanz sowie ein nachträglicher Brief mit Fotos des Turniers haben zudem das Interesse weiterer Förderer geweckt.

Sonderpreis "Bester Jahresbericht"

Michael Succow Stiftung, Greifswald

Prof. Dr. Michael Succow errichtete 1999 die erste Naturschutzstiftung bürgerlichen Rechts in den neuen Bundesländern. Der Biologie- und Agrarwissenschaftler erhielt 1997 den alternativen Nobelpreis für sein Engagement zum Erhalt unberührter Natur. Die Michael Succow Stiftung engagiert sich für den Naturschutz in Deutschland und den Transformationsländern des Ostens, wie Aserbaidschan, Turkmenistan und Russland. Um die Stiftungsaktivitäten in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und weitere Förderer zu gewinnen, erstellte die Stiftung für das Jahr 2009 erstmalig einen Tätigkeitsbericht. In außergewöhnlichem Format werden alle für eine transparente Stiftungsarbeit notwendigen Informationen auf die Größe eines Reisepasses komprimiert. So soll Neugier geweckt aber auch irritiert werden. Mit kurzen pfiffigen Texten und einer ästhetischen Bildsprache führt der Jahresbericht den Leser durch die Aktivitäten des Jahres und in von der Stiftung geschützte Naturregionen. Zielgruppe sind Partner und Förderer sowie potenzielle Förderer und Freunde der Stiftung. Als Appetitanreger bietet der Jahresbericht bei einer Auflage von 500 Exemplaren einen soliden Überblick. Detaillierte Informationen sind auf der Internetseite zu finden. Die KOMPASS-Jury beeindruckte der Mut zur Reduktion: "Der Stiftung ist es gelungen, mit wenigen Mitteln einen auf das Wesentliche reduzierten Jahresbericht zu veröffentlichen, der durch Lesefreundlichkeit und Transparenz überzeugt."

 

Kontakt

Juliane Metzner-Kläring
Projektleiterin KOMPASS

Telefon (030) 89 79 47-82

 
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