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"Stifter persönlich" Januar 2012 mit Sabine Christiansen und Michael Stich

Ein Abend in entspannter Atmosphäre

Zu Gast bei "Stifter persönlich" waren im Januar 2012 Sabine Christiansen und Michael Stich. Durch den Abend führte Shelly Kupferberg. Lesen Sie im Folgenden unseren Bericht über das vorerst letzte Gespräch zwischen Stiftern am Kamin im Haus Deutscher Stiftungen. Von Stefanie Müller

 

Beweggründe für das Stiften
Warum werden Menschen Stifter? Wie unterschiedlich Antworten auf diese Frage sein können, zeigte sich gleich zu Beginn des Abends. Was sich bei Sabine Christiansen über ihre jahrelange Tätigkeit bei Unicef als eine Art natürliche Konsequenz abzeichnete, begann bei Michael Stich mit einer eher unerwarteten Entscheidung.

 

Als er 1994 seine Stiftung gründete, war er mit Mitte 20 der jüngste Stifter Deutschlands. Ungewöhnlich war auch seine Herangehensweise. Zuerst stand der Entschluss eine Stiftung zu gründen. Erst danach suchte Michael Stich nach einem geeigneten Thema. Er fand eines, das bis zur Gründung der Michael Stich Stiftung nur wenig gesellschaftliche Aufmerksamkeit erfahren hatte: HIV infizierte Kinder. Obwohl sie dank immer besserer Medikamente fast vollständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnten, sorgt die Angst vor Ansteckung dafür, dass genau das nicht passiert. Sie werden mit schlechten Begründungen von Kindergärten und Schulen verwiesen oder dürfen an Sportkursen nicht teilnehmen.

 

Den Kindern dagegen ist oft gar nicht so bewusst, dass sie krank sind. Stich: "Wenn sie andere Kinder draußen kicken sehen, ist das egal. Da gibt es dann nur die Frage: Schaffe ich das, oder schaffe ich das nicht? Und wenn ich das schaffe, dann mache ich das auch." Er zeigte sich beeindruckt von ihrer emotionalen Stärke. Das rege schon zum Nachdenken an, so Stich, ob die eigenen "Wehwehchen" tatsächlich immer so bedeutsam seien.

 

Auch Sabine Christiansen haben Kinder schon immer begeistert. Es freut sie, wenn die vielen Kinder aus dem Familien- und Freundeskreis fröhlich "durchs Haus wuseln". Ihre Ehrlichkeit sei inspirierend, so Sabine Christiansen.

 

Bei dieser Begeisterung für Kinder und dem starken Wunsch sich für Andere einzusetzen, ist ihre Tätigkeit bei Unicef nicht weiter verwunderlich. Seit 1997 füllt sie die Position der Unicef-Botschafterin für Deutschland. Dass sich ihre Stiftung ebenfalls dem Kinderthema widmet, sieht sie inzwischen auch kritisch. Heute gebe es sehr viele Angebote für Kinder und weniger für  andere gesellschaftliche Randgruppen, die auch Hilfe benötigten. Christiansen: "Da fasse ich mir gleich auch mal an meine eigene Nase".

 

Andererseits ist die Arbeit der Sabine Christiansen Kinder-Stiftung für eine kleine und häufig übersehene Gruppe von Kindern von unschätzbarem Wert: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Oft traumatisiert kommen sie über zahlreiche Um- und Irrwege nach Deutschland. Hier stehen sie vor scheinbar unüberwindbaren bürokratischen Hürden. Denn Deutschland hat zwar die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet, aber die Vorbehaltsklausel verhindert, dass minderjährige Flüchtlinge in Deutschland die gleichen Rechte haben wie deutsche Kinder. Aus einer wachsenden Frustration heraus, dass Unicef an dieser Stelle der Reise und "vor der eigenen Tür" nichts mehr tun kann, beschloss Sabine Christiansen, dies zum Thema ihrer Stiftung zu machen.

 

Stifter - Erfahrungen
So unterschiedlich die Wege zu ihren Stiftungen waren, so sehr ähneln sich manche Erfahrungen im Alltag der Stiftungsarbeit. Beide Stifter bedauern das starke Konkurrenzdenken zwischen Organisationen mit den gleichen wohltätigen Zielen. Stich: "Jeder will sein eigenes Süppchen kochen."

 

Die beiden Gäste hingegen sprachen sich entschieden für Kooperation aus, dafür die Kräfte zu bündeln. Sabine Christiansen setzt dies mit einfachen Mitteln um. Für ein auf Haiti geplantes Stiftungsprojekt lud sie "Unicef- und Stiftungsleute" zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Nach anfänglicher Skepsis habe ein reger Austausch begonnen. Christiansen: "Manchmal reicht es schon, einfach nur mehr zu wissen." Für Michael Stich ist das Engagement beim Bundesverband Deutscher Stiftungen ein entscheidendes Mittel um Kooperation zwischen den Stiftungen zu fördern.


Beide erleben durch ihre Stiftungsarbeit harte menschliche Schicksale ganz nah. Sabine Christiansen: "Man hört ja immer viel über die Grausamkeiten in Afrika. Aber manches können Sie sich einfach nicht vorstellen. Manche Geschichten wollen Sie nicht wissen." Mit Nachdruck wiederholte sie: "Manche Geschichten wollen sie einfach nicht wissen…"  und dann erzählte sie sie doch, die unfassbare Geschichte von einem afrikanischen Mädchen, dass dabei zusehen musste, wie ihre Tante ermordet wurde, nachdem man diese dazu gezwungen hatte, ihr eigenes Baby aufzuessen.

 

Auch von einem Fehler erzählte sie, den sie einmal in Afghanistan gemacht habe, obwohl sie es besser wusste: Fünf Bleistifte hatte sie in der Tasche und verschenkte sie an ein paar Kinder, die vorher mit Stöcken und Steinen in die Erde gemalt hatten. Unter ihnen brach ein so heftiger Kampf um diese fünf Bleistifte los, dass Sabine Christiansen und ihre Kollegen Mühe hatten, die Situation zu deeskalieren.


Nach Bericht dieser grausamen Erfahrungen wurden am Kamin im Haus Deutscher Stiftungen glücklicherweise auch wieder Erfolgsgeschichten aus der Stiftungsarbeit erzählt. Zum Beispiel davon, dass es in Afghanistan jetzt eine Generation junger, gut ausgebildeter Frauen gibt, die breit grinsend und mit in die Hüfte gestemmten Armen erklärt, dass aus ihr einmal Ärztinnen, Juristinnen und Pilotinnen hervor gehen. Und das, während draußen vor dem Fenster weiterhin in Burkas gekleidete Frauen vorbei laufen. Oder auch die Geschichte von dem HIV-infizierten Jungen, der stolz berichtet, wie er seinen Weg als Schauspieler machen will.


Dennoch waren sich Sabine Christiansen und Michael Stich am Schluss einig: Sie könnten die Welt nicht verändern. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen hielt in seinem Schlusswort dagegen: Indem jeder mit seiner Arbeit einen kleinen Teil der Welt verändere, würde die Welt als Ganzes sich ja schon verändern.

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Stifter persönlich März 2011



Stifter persönlich im Januar 2012

Mit Sabine Christiansen und Michael Stich

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Kontakt

Henrike Schnell
Referentin Mitgliederservice
Telefon (030) 89 79 47-34
Fax (030) 89 79 47-11

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Klicken Sie sich durch den Abend mit Eske Nannen und Rainer Kunze

 
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